Leaky Gut

Leaky Gut

Auslöser für Autoimmunkrankheiten? Wenn die Schutzbarriere der Darmwand nicht intakt ist, was als Leaky-Gut-Syndrom bezeichnet wird, gelangen unverdaute Nahrungsbestandteile, Bakterien, Toxine und Stoffwechselprodukte durch die geschädigte Darmschleimhaut in den Blutkreislauf. Schätzungen zufolge leiden ca. 80 % der Menschen unter diesem Syndrom, die wenigsten wissen es. Entzündungen werden hervorgerufen, die mit unterschiedlichsten Krankheitsbildern einhergehen können. In jüngster Zeit werden viele chronische Erkrankungen, darunter auch einige Autoimmunerkrankungen, wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED), Multiple Sklerose, Typ-I-Diabetes, Parkinson, MS, Alzheimer und Hashimoto-Thyreoiditis, mit einer Störung der Schutzbarriere der Darmwand in Verbindung gebracht.

Wofür braucht es eine Schutzbarriere im Darm?

Die Darmwand, die aufgefaltet eine Fläche von 300-400 Quadratmetern umfasst und mit Abstand unsere größte Kontaktfläche zur Außenwelt bildet, muss eine schwierige Doppelfunktion erfüllen: Einerseits muss sie so durchlässig sein, dass Nährstoffe und Flüssigkeit aus dem Darminneren aufgenommen werden können, andererseits aber auch über einen Schutzmechanismus verfügen, der schädliche Substanzen und Krankheitserreger zurückhält.

Woraus besteht der Schutz im Darm?

Für die Schutzfunktion im Darm sorgen verschiedene Strukturen und Zellen. Ebenso, wie es mit der äußeren Haut eine Schutzschicht vor Umwelteinflüssen gibt, existiert auch in unserem Inneren eine Schleimhaut, die den neun Meter langen Verdauungstrakt vom Mund bis zum After auskleidet und schützt. Diese Schleimhaut ist besiedelt mit einer Darmflora aus unterschiedlichsten Bakterienstämmen. Im Dickdarm siedeln zum Beispiel 300-400 verschiedene Bakterienarten, die insgesamt etwa 100 Milliarden Bakterien bilden. Das sind rund zehn Mal so viele Mikroorganismen wie der menschliche Organismus Zellen enthält. Zusammen haben sie die Aufgabe, schädliche Bakterien und andere unnatürliche Stoffe zu erkennen, unschädlich zu machen und zugleich viele verschiedene B-Vitamine, Vitamin K sowie Folsäure herzustellen. Als dritte Abwehrbarriere, neben den Darmbakterien und der Schleimhaut, wirkt das darmeigene Immunsystem, das als größtes Immunorgan des Menschen 80 % des aktiven Immunsystems bildet. Die Stärke des menschlichen Immunsystems hängt damit ganz entscheidend von einer intakten Situation innerhalb des Darms ab. Damit wird verständlich, dass eine Vielzahl von Krankheiten außerhalb des Darms mit einer gestörten Darmfunktion ursächlich verbunden sein können.

Was ist das Leaky-Gut-Syndrom?

„Leaky Gut“ ist eine Bezeichnung aus dem Englischen, die übersetzt so viel wie „undichter Darm“ bzw. „erhöhte Permeabilität der Darmschleimhaut“ bedeutet. Im gesunden Darm bilden die Zellen der Darmwand einen dichten Zellverband. Die Verbindungsstellen der einzelnen Zellen werden von sogenannten Schlussleisten (engl. tight junctions) abgedichtet. Werden diese tight junctions leck, entsteht das Leaky-Gut-Syndrom.

Es gibt zwei Entstehungsfaktoren, die dabei im Wesentlichen diskutiert werden:

Zum einen kommt es durch unseren modernen Lebensstil mit viel Stress, industriell veränderten Nahrungsmitteln und zahlreichen Umweltgiften häufig zu einem Ungleichgewicht in diesem labilen Ökosystem der Darmbakterien. Dabei ist eine Zunahme von Fäulnis- und gärungsbildenden, auf Kosten der säuerungsbildenden Bakterienbesiedelung, zu beobachten. Durch die entstehenden Gärungsprozesse bilden sich Fuselalkohole. Diese wirken dann als Lösungsmittel schädigend auf die tight junctions zwischen den Schleimhautzellen des Darms und machen die Darmwand löchrig und durchlässig.

Zum anderen handelt es sich vermutlich um eine allergische Reaktion vom Allergie-Typ-III. Gegen Gluten, Laktose oder andere Nahrungsmittel-Antigene werden dabei Antikörper gebildet. Zusammen bilden die Antigene und Antikörper Immunkomplexe, die sich an die Darmwand anheften und dieses Gewebe schädigen durch die Entzündung, die als Zeichen der Immunreaktion entsteht. Die dadurch erhöhte Durchlässigkeit des Darms kann dazu führen, dass Bakterien und deren Giftstoffen, sowie unverdaute Nahrungsbestandteile durch die Darmwand ins Blut eindringen. Diese Stoffe aktivieren das Immunsystem des Darmes und lösen so eine Entzündungsreaktion aus. Immunzellen setzen dann Botenstoffe frei, welche die Durchlässigkeit der tight junctions weiter erhöhen und die Entzündung weiter fortsetzen – ein Teufelskreis entsteht.

Gibt es Auslöser?

Mittlerweile kennt man einige gesicherte Auslöser, die zu einer Verminderung der Abwehrbarriere im Darm und damit zu einer Schwäche (Infektanfälligkeit), Fehlregulierung (Autoimmunerkrankung) oder Überreaktion (Allergie) des Immunsystems führen können.

Dysbiose der Darmflora (bakterielle Fehlbesiedelung) durch:
  1. Kaiserschnitt-Geburten
    Inzwischen ist bekannt, dass nicht erst das neugeborene Baby bei der Geburt eine Erstausstattung von Darmbakterien durch das vaginale Milieu der Mutter bekommt, sondern das Immunsystem des ungeborenen Kindes schon im Mutterleib Signale von der Bakterienflora des Darmes der Mutter erhält.
  2. Stress
  3. Fehlernährung
    Vor allem ein Überangebot von Zucker und Kohlenhydraten, insbesondere durch Weizenprodukte wirkt sich dabei schädlich aus. Weizen und andere glutenhaltige Getreide werden von vielen Menschen nicht gut vertragen. Für die schlechte Verträglichkeit ist das Gliadin, ein Teil des Glutens, verantwortlich.
  4. Medikamente
    Antibiotika (auch aus der Massentierhaltung), Chemotherapeutika, Antiphlogistika
Entzündungen der Darmschleimhaut durch:
  1. Chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  2. Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten
  3. Giftstoffe: Nikotin, Alkohol, Schwermetalle, Umweltschadstoffe u.A.
  4. Zöliakie
  5. Laktoseintoleranz
  6. Nahrungsmittel-Allergien
  7. Histaminintoleranz

Was sind die Folgen des Leaky-Gut-Syndroms?

Aktuelle wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass das Leaky Gut Syndrom eine sehr wichtige Rolle in der Entstehung von Krankheiten innerhalb und außerhalb des Darms spielt. Hierzu gehören:

  • Autoimmunkrankheiten, z.B. Typ-I-Diabetes, Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose, Lupus erythematodes und Hashimoto-Thyreoiditis
  • Allergien
  • Reizdarmsyndrom
  • Fettsucht und metabolisches Syndrom mit Insulinresistenz; während in der Darmflora von schlanken Personen Bakterienarten wie Bacteroidetes (Bacteroides, Prevotella u.a.) überwiegen, verschiebt sich die Flora bei Adipösen in Richtung Firmicutes (Clostridien, Lactobazillen u.a.m.). Firmicutes können für den Menschen unverdauliche Kohlenhydrate, z.B. Zellulose, in resorbierbare Moleküle, z.B. Glucose, aufspalten. Die Folge: Adipöse nehmen aus derselben Nahrung bis zu 10 Prozent mehr Energie auf als schlanke Personen.
  • Fettleber-Hepatitis
  • IgA-Nephropathie (chronische Erkrankung der Nierenkörperchen)

Symptome, die auf ein Leaky-Gut-Syndrom hinweisen

  • Müdigkeit, Leistungsabfall und Energieverlust
  • Depressive Verstimmungen, Gewichtszunahme
  • Chronische Magen-Darm-Beschwerden: Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Bauchkrämpfe, Völlegefühl, Reflux und chronische Magenschleimhautentzündung
  • Entwicklung von Mangelerscheinungen durch verschlechterte Nährstoffaufnahme oder erhöhte Nährstoffverluste
  • Fehlregulationen des Immunsystems: Infektanfälligkeit, Candidose, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Autoimmunkrankheiten

Diagnose des Leaky-Gut-Syndroms

Um eine Barrierestörung im Darm zu diagnostizieren, wird als erstes eine Stuhlprobe an ein spezialisiertes Labor geschickt, um folgende Parameter zu kontrollieren:

  1. Darmflora (Dysbakterie?)
  2. Sekretorisches IgA (häufig ein Mangel!)
    Gibt einen ersten Überblick über die Funktion des darmassoziierten Immunsystems, dessen Aufgabe es ist, das Eindringen und Ansiedeln von potentiell gefährlichen Bakterien, Viren oder Pilzen zu verhindern und unverträgliche Nahrungsbestandteile und Giftstoffe zu neutralisieren.
  3. Darüber hinaus ist ein erhöhter Zonulin-Spiegel in der Blutuntersuchung ein wertvoller Marker für eine erhöhte Durchlässigkeit des Darmes geworden.

Therapie des Leaky-Gut-Syndroms

Die Gabe von Prä- bzw. Probiotika gehört zu den effektivsten und wichtigsten Therapien. Darauf wird nur in den wenigsten Fällen wirklich verzichtet werden können.

Effektive Mikroorganismen sind sinnvoll, wo es gilt, einem erhöhten Bedarf zu entsprechen, der durch normale Lebensmittel nicht gedeckt wird. Denn aufgrund der heutigen Lebensweise ( Stress, Lärm, ungesunde Ernährung, giftverseuchte Lebensmittel ect.) und zunehmender Umweltbelastung ist die Darmflora permanent gefährdet, wieder ins ungesunde Milieu zu entgleisen.

Großen Wert in der Beratung lege ich auf die Qualität der richtigen Ernährung, leider ist das heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Die Wertigkeit der angebotenen Lebensmittel hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich abgenommen.

In meiner Beratung ist es notwendig, dass ich Ihnen aufgrund der erzielten Diagnoseergebnisse auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfehle. Ich kann in der Praxis lediglich eine Empfehlung aussprechen, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass gerade im Therapiekonzept nicht auf die Zufuhr bestimmter Mikro-, Makronährstoffe und Darmaufbaupräparate verzichtet werden kann.

Ich bin für Sie da

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© 2019 Sabine Redmann, Heilpraktikerin. Datenschutz | Impressum